Tabu-Thema Inkontinenz – Viele sind betroffen aber niemand spricht darüber – Episode 4

Sarah SchachenhoferMedizin und PflegeLeave a Comment

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Inkontinenz – eine große psychische Belastung.

Kinder lernen meistens bis spätestens zum dritten Lebensjahr alleine aufs Töpfchen zu gehen und benötigen ab diesem Zeitpunkt keine Windeln mehr. Wenn Erwachsene auf einmal wieder mit Inkontinenz konfrontiert werden ist es nur allzu verständlich dass sie das Gefühl haben zurückgeworfen zu werden.

In diese Situation versetzt zu werden bedeutet einen enormen Eingriff in die persönliche Privatsphäre, insbesondere dann wenn es noch durch eine externe Pflegekraft erfolgt. Diese psychische Belastung sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden und im stressigen Pflegealltag untergehen.

Weitreichende Folgen von Inkontinenz

Neben den psychischen Folgen gibt es weitere, gravierende Folgen insbesondere im zunehmenden Alter. Nämlich dann wenn man auf Hilfe angewiesen ist und nicht selber merkt ob man auf einer nassen Unterlage liegt oder nicht. 42,5% aller an Inkontinenz leidenden Menschen weisen Hautschädigungen wie Rötungen, Reizungen und Inkontinenz assoziierte Dermatitis (umgangssprachlich auch Windeldermatitis) auf.1) In 6,9% der Fälle sogar so stark, dass die Betroffenen ärztlich versorgt werden müssen.2)

Die jährlichen Behandlungskosten belaufen sich im DACH-Raum auf rund 2,5 Mrd. Euro nur für die Behandlungen von Dekubitus und IAD (umgangssprachlich Windeldermatitis). Eine enorme Summe, die insbesondere aufgrund der enormen Schmerzen der betroffenen, zu minimieren gilt.

Prävention statt Reaktion

Pflege und Schutz der Haut sind bei Inkontinenz nicht einfach, aber enorm wichtig. Bestimmte
Inhaltsstoffe aus Urin und Stuhl können die Haut angreifen und Schäden verursachen. Insbesondere bei älterer Haut die nicht mehr so strapazierfähig und dünner ist wird die richtige Versorgung enorm wichtig.

Eine der Grundlagen um Hautschädigungen vorzubeugen ist andauernden Kontakt mit Urin oder Stuhl, zum Beispiel durch nasse Bettunterlagen, zu vermeiden und für einen raschen Wechsel des Inkontinenzmaterials zu sorgen.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten um die Kosten zu senken, damit mehr Budget für die wichtigen, emotionalen Aspekte in der Pflege bleiben. Und noch viel wichtiger die Schmerzen und Spitalaufenthalte für die Betroffenen zu minimieren.

 

1)Junkin et al., (J Wound Ostomy Continence Nurs. (2007) 34:260-9)
2)Bliss et al., (Nurs. Res. (2006) 55:243-51)

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